Martin Rybacki Martin Rybacki

Narthex

Zwischen Welt und Kirche,
zwischen Welt und Wüste,
zwischen Kopf und Herz,
auf dem Weg,
Dornbüsche,
Stolpersteine,
aus denen Wasser quillt,
Feuersäulen und Himmelstau,
verrenkte Hüften und
Muskelkater vom Engelringen.

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Martin Rybacki Martin Rybacki

Der Spaziergang

Ich spaziere über die Wogen der Welt,
durch die Gärten und bunten Gassen,
schöne Mädchen tanzen, Topfpflanzen fallen,
Gesang der Vögeln, Frühlich, plötzlich blechern.

Ich durchlafe dunkle Wälder, helle Steppen
steinernd karg. Soldanten auf Plakaten,
an den Seiten nun Särge, Flugzeuge,
über'm Haupte schnelle Wolken.

Winde von nebenan und vom anderen Ende der Welt
landen in meiner Augennässe. Trockene Lippen,
die Zunge gezügelt durch Sandgeschmack.
Durst nach Öl, am Fluch der Schönheit angekettet.

Wohin ich trete, aufgeworfene Erdhügel:
So viele vergrabene Talente, unbeantwortete Berufungen.
Nutzlose Knechte, Geist und Fleisch ungleich gejocht.

Das Leben ist nicht immer lustig.
Wir sind nicht hier, um Urlaub zu machen.
Das hier ist kein Spaziergang.

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Martin Rybacki Martin Rybacki

An erster Stelle

Bewusstsein, Vertrauen,
Wert und Optimierung,
Verwirklichung und
neuerdings sogar auch Liebe -

ursprünglich stand davor,
an erster Stelle, Gott.

Heute aber steht da "selbst".

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Martin Rybacki Martin Rybacki

Gezeichnete Haut

Verewigung. Auf der Haut.

Welches Bild?

Mein Professor sagte,

die einzigen, die Tätowierungen hatten,

waren Sträflinge und Seefahrer.

Ich verdiente zwar Strafe,

zur See wollte ich freilich nicht.

Ich wollte nur dazugehören.

Heute ist es Mode.

Nackte Arme, nackte Schultern,

volle nackte Oberschenkel, nackte Bäuche,

manchmal sogar nackte Rücken.

Voll mir grundlosen Bildern der Gegenwart.

Sieh an, sieh an, sieh mich an.

Sieh mich endlich an.

Ich fand nichts würdig der

Verewigung.

Meine Haut blieb ungestochen.

Außer von Mücken.

Meine Mutter sagte, ich hätte

süßes Blut.

Auf dem Land gibt's viele Mücken.

Nächtlicher Summalarm.

Versuche des heimlichen

Nadelbombardements.

Der Schlaf wurde kurz, die Nacht zur Jagt.

Kleine Blutflecken an den Wänden.

So viele Morde.

Dann gab der Stuhl nach, rechte Radiusfraktur.

Besiegt von einer Mücke, stand sogar

im Unfallbericht.

Es gab kein Entkommen.

Der Juckreiz war Folter.

Ein Mücken-Umerziehungslager.

Ich Opfer.

Meine Oma sagte, Spucke auf die Beulen.

Das reichte nicht.

Härtes war von Nöten.

Die Haut aufkratzen, Essigessenz in die Wunde.

Zähne zusammenbeißen, du Asket.

Das Jucken hatte ein Ende.

Doch Beine und Hände vernarbt.

Nicht schön, sagte eine Frau.

Aber wir sind hier nicht beim

Schöneheitswettbewerb.

Narben wie bei Soldaten,

Zeichen wie Tätowierungen.

Endlich.

Dank der Mückenkammeraden,

die sich so tapfer opferten,

ihr Dienst verkannt, nie gebührend

geschätzt/gewürdigt.

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